Freiheit

Freiheit

Montag, 1. Juni 2015

Als die Farben meine Welt verließen..... und die Freude mitnahmen

Bald jährt sich der Jahrestag, der einen Wendepunkt in meinem Leben darstellt, zum zweiten Mal. Es war Freitag, der 14. Juni 2013. Es war der Beginn einer langen Leidensphase, die ich leider noch nicht ganz hinter mir lassen und abschließen konnte. Ich habe zwar vorher schon gelitten, aber was in den darauffolgenden Monaten kommen sollte, darauf war ich nicht im geringsten vorbereitet. Ich glaube auch, dass nichts jemanden wirklich darauf vorbereiten kann. 

Dieser 14.06.2013 war für mich der Tag, an dem die bunten Farben mein Leben verließen und die Freude mit sich nahmen. Die Depression ließ ihren Mantel fallen und alles in einem tristen Grau versinken und mit Einzug von Erna (meiner Angst) war kein Platz mehr für Freude, Glück oder Lachen. Als wäre ich in einen Kokon gewickelt, der mich umhüllt und alles nur noch gedämpft an mich herankommt. 

Auch heute noch fühle ich mich so, wenn ich schlechte Phasen habe. Es dringt in dieser Zeit nichts wirklich zu mir durch. Und ich bin so damit beschäftigt den Tag zu überstehen und nicht zusammenzuklappen, dass ich für nichts und niemand außer mir selbst Aufmerksamkeit und Zeit aufbringen kann. Ich stecke dann in meiner eigenen Welt, bin selbst mit überleben und nicht aufgeben beschäftigt, dass einfach kein Platz für andere da ist. Mein Blick ist nur auf mich gerichtet, als hätte ich Scheuklappen an. Was am Rande dieser Klappen geschieht, sehe ich nicht. Mein Blickfeld ist beschränkt und mein Körper ist damit beschäftigt nicht schlappzumachen, im Überlebensmodus und nur ich zähle. Mein Geist ist auf die Depression, Erschöpfung oder Angst fokussiert, je nachdem in welcher Phase ich gerade stecke. 

Und ich bin es so leid! Ich bin es leid eine krankhafte Angst zu haben, die mich plötzlich überfallen kann und aus dem Hinterhalt anspringt. Ich bin es leid, Tabletten nehmen zu müssen. Ich bin es leid, dass ich nach fast zwei Jahren noch immer nicht gesund bin. Aber am meisten bin ich es leid, dass ich noch immer in dem selbem Teufelskreis stecke wie vor zwei Jahren. Sprich nach wie vor nicht den Mut hatte etwas an meiner Situation zu ändern und mich davon und damit verbundenen Personen zu distanzieren, die mich krank machen. Weil ich einfach Angst hab. Und auch wieder sehr müde bin. 

Ich habe Träume. Nach wie vor. Aber was nutzen diese Träume, wenn ich sie nicht umsetze. Ich winde mich hin und her. Habe zwar schon ein paar Dinge in Gang gesetzt, die mir viel bedeuten und mir guttun, wie z.B. neue Leute kennenzulernen und meine Yogalehrer-Ausbildung anzufangen. Aber ich falle immer wieder zurück, da ich das, was ich momentan als Hauptgrund für die Hartnäckigkeit meiner Krankheit ansehe, nicht ändere. Und das ist mein Arbeitsumfeld. Ich drehe mich seit zwei Jahren im Kreis. Mache Fortschritte, falle aber immer wieder zurück, als wäre ich an ein Gummiband geschnallt, das mich an meinen ursprünglichen Platz zurückschnellen lässt, wenn ich mich zuweit entferne. 

In dem Buch ,Finde zu dir selbst zurück' von Dr. Mirriam Prieß steht der Satz ,,Wenn Sie nicht wollen, dann werden Sie nicht leben!" Ich finde dieser Satz trifft mitten ins Schwarze und bringt es auf den Punkt. Daher fragt euch ,,Will ich wirklich leben?" Mit allen Konsequenzen und mag der Weg an manchen Stellen noch so steil oder steinig sein? Leben bedeutet hier nicht nur, als körperliche Hülle zu existieren, sondern ein Dasein zu gestalten, dass mich glücklich macht und ausfüllt. 

Denkt einen Augenblick über die Antwort nach. Seid nicht zu vorschnell! Wichtig hierbei ist es ehrlich zu sein. Absolute, gnadenlose Ehrlichkeit zu euch selbst. Das ist der erste Schritt. 

Also, nochmal: 

Will ich wirklich leben? Ja, das will ich! Chacka!!! 

So weit, so gut. Weiter geht's: 

Will ich wirklich leben und trage die darauffolgenden Konsequenzen, so unbequem, hinderlich, rücksichtslos, egoistisch, hinterhältig und schlecht sie auch sein mögen? Tja, ähm.... Chac....Hm... Jein?!?! 

Und hier ist der Hund begraben. Alle wollen leben und möglichst so gut es eben nur geht. Nur die meisten möchten nichts dafür tun, was irgendwie unbequem ist und Risiken mit sich trägt. 

Viele wissen vielleicht gar nicht, dass sie in Wirklichkeit nicht leben, sondern nur vor sich hinvegetieren. Was für ein Glück sie doch haben. Meiner Meinung nach. Denn was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Wirkliche Qualen erleiden diejenigen, die es nur zu gut wissen und sich nur schwer damit abfinden bzw. sich eben nicht damit abfinden können, weil sie eben mehr wollen. Mehr als nur vegetieren bzw. existieren.

Weitere Fragen, die ich mir stellen kann, um herauszufinden, ob ich nur existiere, vor mich hinvegetiere oder schon lebe: 

Bin ich glücklich? 

Wenn ja - super!! Du kannst hier aufhören zu lesen (vielleicht hinterlässt du unten in den Kommentaren dein Rezept für ein glückliches Leben). 

Für alle anderen geht es hier weiter: 

Warum bin ich unglücklich (bspw. in meiner Ehe, in meiner Beziehung, in meinem Job, in meinem Leben)? 

Worunter leide ich am meisten? 

Was hindert mich daran etwas zu meinem Vorteil zu verändern? 

Warum habe ich aufgegeben? 

Wenn man bereits aufgegeben hat, dann kann man dies auch wieder ändern. In kleinen Schritten. Dazu muss ich aber ab und an innehalten und lauschen. Wer aber nicht mehr in sich hinein horcht, weil er Angst davor hat, was er dort hört und nur noch existiert, weil das halt Freunde, Verwandte und Nachbarn auch so machen, der hat verloren. 

Daher hört in euch selbst hinein, hört auf die innere Stimme. Nicht mit dem Teufelchen auf eurer Schulter verwechseln, das euch sagt, dass ihr wertlos seid o.ä., sondern die tiefere Stimme. Die, die aus euch selbst entspringt und euch wirklich kennt. Manche nennen sie Bauchgefühl, Seele oder die Stimme des Herzens. Macht diese positive Stimme zu eurem besten Freund. 

Natürlich ist es ein steiniger Weg. Ich selbst mache zwei Schritt vor und einen zurück. Und bin darüber nicht gerade glücklich, da es mir zu langsam geht. Aber mein Psychiater sagt, dass ich zwar einen Rückschritt mache, aber immerhin auch insgesamt einen nach vorne. Ich habe die falsche Sichtweise. Auch gefallen mir manche Dinge an mir ganz und gar nicht, die zu Tage kommen, wenn ich gnadenlos ehrlich zu mir selbst bin. In manchen Ansichten bin ich anscheinend nicht so offen und tolerant, wie ich es gern sein würde. 

Aber trotz der Rückschläge, Schmerzen und Tränen, der Dunkelkeit, die mich ab und an noch umgibt, habe ich doch auch wieder gute Tage. Kann lachen, essen und es einfach genießen am Leben zu sein. Denn ja, ich will leben. 

ICH! 

WILL!! 

LEBEN!!! 

Chacka!!! Jawoll, ja! 


Wo ist der Reset-Knopf für mein Leben

Anmerkung: Geschrieben schon im März 2015

Seit fast einem Monat habe ich nun wieder einen Durchhänger. Mal sehr freundlich ausgedrückt. Ich bin wieder mental und physisch so erschöpft, dass ich, wenn ich frei habe, wieder nur noch schlafe. Das macht mich unzufrieden, weil ich lieber etwas unternehmen würde, aber zu erschöpft dafür bin.

Wenn ich daran denke, dass es mir in Australien so gut ging und das gerade mal 6 Wochen her ist, kommt es mir vor, wie ein anderes Leben. Wie kann es sein, dass ich schon wieder so fix und fertig bin?!?! 

Letzte Woche Donnerstag hatte ich ein Gespräch mit meiner Therapeutin. Sie hat noch nie so Klartext mit mir gesprochen. Ich weiß zwar alles, was sie gesagt hat, aber dass sie es dann so geradeaus gesagt hat, hat mich dann doch nachdenklich, sehr sehr nachdenklich, gemacht. Es hat mir sehr zu Denken gegeben. Und ich denke eh schon viel, aber nun steigen kleine Rauchwölkchen aus meinem Kopf auf. Denn ich habe einfach keine Lösung für mein Problem. Und ich merke, wie mich das krank macht. Und ich habe Angst, dass sich daraus eine organische Krankheit entwickelt. 

Kurzfassung: Meine Therapeutin sagte, dass ich etwas ändern muss und zwar schnell. Denn so wie ich in letzter Zeit erzähle, klinge ich manchmal schon sehr verbittert. Und das ich aufpassen muss, dass ich nicht vollkommen verbittere. Das wäre zu schade um mich. 

Aber ich habe Angst. Angst vor Veränderungen. Angst davor das Falsche zu machen und die Entscheidung nicht rückgängig machen zu können. Ich weiß, dass vor allem mein Chef das Hauptproblem ist. Sein Verhalten uns gegenüber wird schlimmer und schlimmer. Und ich dachte wirklich nicht, dass das noch möglich ist. Aber er schafft es immer wieder in dieser Hinsicht mich zu überraschen. Es ist furchtbar. Zuckerbrot und Peitsche. Nur dass das Zuckerbrot immer weniger wird. 

Meine Kollegin hat es passend beschrieben: Es ist, als würden wir auf einem Pulverfass sitzen, dass jeden Moment wieder hochgehen kann. Fragen an ihn sind ein Drahtseilakt geworden, da ich gar nicht mehr einschätzen kann, wie er reagieren wird. Schreit er mich an, wird er blöd oder reagiert er normal?!
Wir dürfen nicht einen Termin ausmachen ohne seine Zustimmung. Keine Mail darf versendet werden ohne dass er sie freigegeben hat. Selbstbestimmtes Arbeiten ist etwas anderes. 

Und so wie die Zusammenarbeit, wenn man das überhaupt so nenne kann, momentan ist, besteht für mich keine Chance gesund zu werden. Sondern nur kranker. Immer mehr und mehr.

Er selbet registriert sein falsches Verhalten aber leider nicht mehr. Er ist mittlerweile abgehoben in Sphären, in denen er dies leider nicht mehr wahrnimmt. Früher war er Teil unseres Teams. Heute leider nicht mehr. Er bemerkt nicht, wie schlecht die Stimmung bei uns ist und das wir auf dem Zahnfleisch gehen. Meine Kollegin sagte, dass sie letztens sonntags heulend zu Hause saß, weil sie montags zur Arbeit musste. Gestern schrieb sie mir, dass ihr richtig schlecht ist, weil er da ist. Willkommen in meiner Welt. Da war ich auch an diesem Punkt. Schon mehrere Male. 

Er nimmt sich selbst als Maß aller Dinge, aber er ist auch Chef und kann sich vieles erlauben, was wir nicht können. Ich habe mittlerweile soviel Frust in mir, auch ihm gegenüber, ohne dass ich ihn rauslassen kann. Und das frisst mich auf. Aber auch Wut. Für wen oder was hält er sich, zum Teufel nochmal, dass er so mit uns bzw. mir umgeht?!?! Ich bin es so leid sein Fußabtreter zu sein!!! Ihn andauernd zu bedienen, sein Essen zu holen, private Dinge für ihn zu erledigen, wie z.B. seine Hochzeit zu organisieren (und dafür ein läbsches Essen ausgegeben zu bekommen), die Bürotür hinter ihm zu schließen, wenn er morgens reinkommt (er macht das nicht selbst. Einer von uns muss extra aufstehen und sie zumachen!!!!). 

Ich bin es so leid! Nicht, weil mir ein Zacken aus dem Krönchen fällt, weil ich o.g. Dinge mache, sondern weil nichts gut genug ist für ihn. Und wir als ,Dank' nur angebrüllt werden, sobald ihm irgendwas querkommt. Sogar, wenn Kollegen Fehler machen, bekommen wir es ab. Zu anderen ist es echt freundlich, aber die engsten seiner Mitarbeiter macht er rigoros und stetig runter. Da lässt er Dampf ab. 

Ich weiß, dass er auch viel Stress und Druck hat. Ich würde auch für kein Geld der Welt mit ihm tauschen wollen. Aber ich kann nicht dafür! Es ist nicht meine Schuld, dass er überlastet ist. Ich und auch meine Kollegin machen so gut wir können, um es ihm so recht wie möglich zu machen, aber da er zu einem absoluten Kontrollfreak mutiert ist, kann ihm auch keiner Arbeit abnehmen. 

Warum ich ihm das nicht einfach mal alles sage? Gute Frage. Die Antwort ist vielschichtig: 
Ich mag meinen Job. Wirklich. Auch wenn es sich oben nicht so anhört. Ich mag es, dass ich so mit vielen Menschen aus 14 Ländern zusammenarbeiten kann. Ich mag das organisieren von Konferenzen, Veranstaltungen und auch seine Termin- und Reiseplanungen. Und meine Kollegen. 

Aber vor allem habe ich zuviel Angst vor den Konsequenzen, wenn ich ihm einen Spiegel vorhalten würde, wie sein Verhalten ist. Er würde es nicht annehmen und mich spüren lassen, dass ich es gewagt habe ihm dies ins Gesicht zu sagen. Und zwar heftig. 

Und, fatalerweise, will ich nicht, dass er enttäuscht von mir ist. Wie krank ist das bitteschön?!?! Und er wäre enttäuscht. Und würde es als persönliche Beleidigung empfinden, wenn ich weggehen würde. Denn in seinen Augen sieht er nur die Dinge, die er für mich getan hat und wie verständnisvoll er war, als ich krank war. Wie gesagt, er kann auch nett sein. Und es hat auch Zeiten gegeben, da habe ich gerne für ihn gearbeitet. Da war er wirklich noch einer von uns. Und auch da war er schon Chef. 

Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass sein Nettsein nur noch kalkül ist. Er weiß, wie er anfangs die Leute damit einfängt und an sich bindet. Und schon hat er sie an der Angel. Und wir kleinen Fische, mit Gehirnen so groß wie ne Erbse, hängen daran und zappeln uns einen ab. Wenn aber einer von uns es wagt mal gegen ihn aufzumucken, wie im Februar mein Kollege, rastet er aus mit Rumbrüllen, Türen knallen etc. Und was hat es meinem Kollegen gebracht - Nix. Gar NIX. 

Außerdem – was ist, wenn es anderswo noch schlimmer ist?!?! Was, wenn der neue Chef noch schlimmer ist? Die neuen Kollegen ätzend. Ich mich selbst total überschätze und eigentlich nicht viel drauf hab. Hier in meinem ,alten' Job beherrsche ich die zu erledigenden Tätigkeiten aus dem Effeff. Und ich verdiene gut, selbst mit einer 30-Stunden-Woche. 

Aber ich arbeite eh mehr. Ich habe wieder soviel seit Anfang letzten Jahres gearbeitet, dass ich nun geradewegs wieder in die Reha könnte. Und mich eine tiefe Verzweiflung packt, wenn ich an die vor mir liegenden Wochen denke. Ich bin zu müde, um mich hinzusetzen und eine Bewerbung zu schreiben. Und ich weiß nicht, ob ich in meinem momentanen Zustand es schaffen würde eine neue Stelle anzufangen.

Ich hab einfach Angst und ich weiß nicht, wie ich aus dem von mir selbst geschaffenen Teufelskreis wieder rauskommen soll. Und das Schlimme ist, ich weiß das alles und fühle mich trotzdem total ohnmächtig und hilflos und kann nichts daran ändern. 

Nur leider verfliegt so die Zeit. Und dieses Leben ist nunmal keine Demoversion von meinem ,richtigen' Leben, sondern es ist mein richtiges Leben. Und ich kann nicht einfach Reset drücken und die Zeit zurückdrehen. Oder wie beim Monopoly auf Start zurückkehren und alles nochmal von vorne beginnen. Inkl. einem netten Sümmchen an Startgeld. 

Dies ist mein Leben und soweit ich weiß ist dies auch mein einziges. Also, warum mache ich es mir so schwer und lebe nicht einfach so, wie ich es will. 

Weil ich Angst hab. 

Sonntag, 17. Mai 2015

Und die Welt dreht sich weiter

Eigentlich hätte heute vor vier Jahren meine Welt untergehen sollen. Daran hatte ich nie einen Zweifel. 
Aber das ist sie nicht. Sie ist nur bis in die Grundmauern erschüttert worden und ich baue sie heute noch Stück für Stück wieder auf. Aber sie dreht sich weiter und weiter und alles nimmt seinen Lauf, im gleichen Tempo. Ich habe sie in den Angeln gehalten, so fest gehalten, dass es mich eine fast übermenschliche Kraft gekostet hat und diese Anstrengung alles beisammenzuhalten, nichts fühlen zu müssen, mir und anderen vorzumachen, dass alles in Ordnung sei und alles zu unterdrücken, hat mich fast meine Gesundheit gekostet. Aber ich wollte nicht schwach sein. Ich wollte dir, mir und den Anderen beweisen, dass ich stark bin. Und das hat mich letztlich doch noch zu Fall gebracht. Und ich hab mich schwächer und hilfloser gefühlt, als jemals zuvor. Und du warst nicht da. Das erste Mal in meinem Leben, warst du, als ich dich so dringend gebraucht habe, nicht bei mir. Und ich fühlte mich so einsam und verlassen.

Ich sehe dieselben Leute. Tagein. Tagaus. Im Bus, in der Bahn, auf der Arbeit. Niemand bemerkt die riesige Wunde. Damals nicht. Und heute nicht. Dabei klafft ein riesiges Loch in meiner Brust, das ich spüren kann. Auch nach vier Jahren noch. Aber das Leben geht weiter. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Ist mit seinen eigenen Sorgen und Nöten beschäftigt. Dabei frage ich mich manchmal, wie ich so überhaupt existieren kann. Wie kann das Leben einfach weitergehen? Wie können die Menschen um mich herum lachen, essen und so tun, als sei nichts geschehen, wo du doch gestorben bist und bei mir nichts mehr so ist, wie es mal war. 

Vier Jahre - so kurz und doch so un-end-lich lang, dass es mir vorkommt, als wärest du schon Ewigkeiten fort. Und ich vermisse dich. Und doch fühlt sich dieses Wort - vermissen - nicht annähernd passend an. Zu klein dafür, was ich wirklich empfinde. Zu nichtig für den ganzen Schmerz, die Tränen und den Kummer. 

Man sagt, dass der Schmerz irgendwann nachlässt. Das mag stimmen. Aber dafür ist etwas anderes an seine Stelle getreten, das ich nicht richtig benennen kann. Und es ist schlimmer. Viel schlimmer. Es ist eine Leere, die du hinterlassen hast und sie kann nach wie vor durch nichts und niemanden gefüllt werden. Egal, wie viele neue Leute ich treffe, was ich auch unternehme, wie viel Yoga auch immer ich mache -  ich fühle diese Leere. 

Und du fehlst mir so sehr. Jeden einzelnen Tag. Ich hab dir vorgeschlagen, dass wir uns in meinen Träumen treffen, aber an solche Träume hatte ich nicht gedacht. Bei diesen Treffen lebst du und es ist schön, dich zu sehen. Für den ersten Moment. Aber ich weiß immer, dass du krank bist und sterben wirst und ich alles nochmal erleben muss. Und das macht die Träume so furchtbar. Und grausam. So schlimm, dass ich manchmal Angst habe, einzuschlafen. 

Und ich träume oft von dir. Fast jede Nacht. Manchmal, wenn ein Traum in seiner Heftigkeit besonders schlimm war, besucht mich in den Nächten danach ein alter Freund, den ich früher in der Schule kannte. Der aber auch schon lange tot ist. Mit 18 bei einem Motorradunfall verunglückt. Einmal sind wir miteinander im Bus gefahren. Ich bin eingestiegen und da war er. Ich hab mich wie selbstverständlich neben ihn gesetzt, er hat den Arm um mich gelegt, ich den Kopf an seine Schulter und wir haben stillschweigend nebeneinander gesessen. Wir reden nie. Aber das müssen wir auch nicht. Er tröstet mich - auch so. 

Aber ich werde nicht aufgeben. Ich kämpfe weiter. Auch wenn es manchmal unsagbar schwer ist. Ich möchte noch so viele Orte und Dinge auf dieser Welt sehen. Die Wale. Und das Polarlicht. So wie ich es dir versprochen habe. Und den Baikalsee. Weil du dir immer so gerne die Sendungen darüber im Fernsehen angeschaut hast. Mit deiner riesigen Sonnenbrille aus den Siebzigern auf der Nase. Wegen der Strahlen. 

Nacht, Ömschen. Schlaf gut. Dicker Kuss. Ich hab dich lieb. bis morgen früh! 


Song: If I ever leave this world behind von Flogging Molly 


IF I EVER LEAVE THIS WORLD ALIVE SONGTEXT

If I ever leave this world alive
I'll thank for all the things you did in my life
If I ever leave this world alive
I'll come back down and sit beside your feet tonight

Wherever I am, you'll always be
More than just a memory
If I ever leave this world alive

If I ever leave this world alive
I'll take on all the sadness that I left behind
If I ever leave this world alive
The madness that you feel will soon subside

So, in a word, don't shed a tear
I'll be here when it all gets weird
If I ever leave this world alive

So when in doubt, just call my name
Just before you go insane
If I ever leave this world, hey, I may never leave this world
But if I ever leave this world alive

She says I'm okay, I'm alright
Though you have gone from my life
You said that it would
Now everything should be all right

She says I'm okay, I'm alright
Though you have gone from my life
You said that it would
Now everything should be all right


Freitag, 3. April 2015

Van Morrison: Into the Mystic

Habe gerade dieses Lied von Van Morrison entdeckt und es geht mir unter die Haut 

Smell the sea and feel the sky
Let your soul and spirit fly


Into the Mystic



Hier ist der Text: 

We were born before the wind
Also younger than the sun
Ere the bonnie boat was won 
As we sailed into the mystic

Hark, now hear the sailors cry
Smell the sea and feel the sky
Let your soul and spirit fly
Into the mystic 

And when that fog horn blows 
I will be coming home, mmm mmm
And when the fog horn blows 
I want to hear it
I don't have to fear it

I wanna rock your gypsy soul
Just like way back in the days of old
Then magnificently we will float 
Into the mystic

When that fog horn blows 
You know I will be coming home
And when that fog horn whistle blows 
I gotta hear it
I don't have to fear it

And I wanna rock your gypsy soul
Just like way back in the days of old
And together we will float 
Into the mystic
Come on girl

Too late to stop now
Songwriters: MORRISON, VAN
Into The Mystic lyrics © Warner/Chappell Music, Inc.

Sonntag, 22. März 2015

Keep calm and do Yoga

Heute habe ich meine erste private Stunde als angehende Yoga-Lehrerin gegeben und ich muss gestehen - ich war aufgeregt. 

Durch das hohe Pfeifen meiner Meerschweinchen geweckt und gegen 7.30 Uhr endgültig aus dem Bett gescheucht (von der Tonlage her könnte man meinen, sie sind chronisch unterernährt) habe ich natürlich erstmal meine drei Weiber Schweinis und Fritzchen Schweini versorgt - ich frage mich oft, wo die den ganzen Salat hinstecken, denn trotz abendlicher Fütterung war heute Morgen alles ratzeputz weg - und habe auch mir selbst dann ein Frühstück gegönnt. Irgendwie habe ich dabei die Zeit etwas aus den Augen verloren.

Habe also gefrühstückt, dabei gelesen (ich liebe neuerdings Instagram!), mich danach langsam angezogen und gewaschen. Dann wollte ich in aller Ruhe mein Schlafzimmer in ein Yoga-,Studio' verwandeln und mich kurz mit ein paar Sonnengrüßen aufwärmen. Während ich also langsam jede Kerze einzeln aus dem Wohnzimmer ins größere Schlafzimmer trug und sie anzündete, fiel mein Blick auf die Uhr und ich dachte nur, dass diese wohl auch neue Batterien braucht und gestern Abend um 10.45 Uhr stehengeblieben ist. Ließ mich also nicht aus der Ruhe bringen. Erst als ich dann auf meinem iPad die Meditationsmusik anstellte, bemerkte ich, dass auch die Uhr - mittlerweile - 10.50 anzeigte und somit die vorherige Zeitanzeige korrekt war. 

Meine ,Schülerin' (aka Versuchsobjekt C.) wollte um 11 kommen und sie ist nicht für ihre Unpünktlichkeit bekannt. Da konnte ich auf einmal auch in schnell die Kerzen rübertragen, anzünden, Speedy-Gonzalez-mäßig staubsaugen, das Waschbecken im Badezimmer noch putzen und Matten, Decken und Kissen auslegen. Mein Schlafzimmer roch mittlerweile dank einer Duftkerze, die sich zwischen die anderen Kerzen geschmuggelt hatte, als wolle ich ihr eher eine Tantramassage, als eine Yoga-Stunde geben, so dass ich das Fenster nochmal aufriss und als ich dann gerade in den letzten Vorbereitungen der Getränke war, klingelte es auch schon. Aufgewärmt war ich also. Auch ganz ohne Sonnengruß. 

Und nach kurzem Geplauder mit dem wir uns beide auf den neusten Stand gebracht und über unsere Frisurpläne geredet haben (hey, wir sind Mädels!) ging es auf die Matte. Angefangen haben wir mit einem Anfangsmantra, danach ging es zum Sonnengruß. Für mich war es ganz neu, dass ich, während ich den Sonnengruß zeigte, auch laut die Ansagen machte. Das war gar nicht so einfach. Obwohl Frauen ja multitaskingfähig sind und ihnen nachgesagt wird, dass sie gerne quatschen, am liebsten mit anderen Frauen, war es doch nicht einfach das Reden, die Übung machen und atmen in Einklang zu bringen. 

Da wir beide nur zu zweit waren, konnte ich jede einzelne Stellung mit Versuchsperson C. durchgehen und nötigenfalls korrigieren. So vergingen letztendlich zwei Stunden (ja, wir haben auch zwischendurch mal auf der Matte gelegen und gelacht. Und gequatscht (Kommentar dazu: siehe oben). Zum Schluss gab es noch ein Mantra. Also hingesetzt und losgesungen. Denkste. 

Als ich dies vergangene Woche per WhatsApp ankündigte, dachte C. wohl noch, ich wolle sie verarschen und hat lachend die zugesendete Übungs-Lieddatei gelöscht. Dem war aber nicht so. Denn zum ganzheitlichen Yoga gehört nun auch mal ein Mantra. Ich muss dazu sagen, dass lautes Singen vor anderen Leuten bei mir auf der Beliebtheitsskala gleichkommt mit Tanzen. Und Tanzen = Spießrutenlaufen. Gut, dass ich das Mantra auf dem iPad hatte und leise im Hintergrund mitlaufen lassen konnte. Na gut, es war nicht ganz soo leise. Es war mittellaut. Ok, laut. Sehr laut. Quasi bis zum Anschlag aufgedreht. Also ,unsere-beiden-lieblichen-Stimmchen-haben-wir-selbst-kaum-gehört' laut. 

Was meine Nachbarn, die alle ältere Herrschaften sind, anfangs bestimmt verstört hat, denn solche Lautstärken sind sie von mir nicht gewohnt. Dabei sollten sie eigentlich dankbar sein, denn sie konnten somit unseren Gesang nicht hören, kein Glas ist zersprungen und der Nachbarshund verfiel nicht ins Jaulen bis er heiser war. 

Vielleicht sollte ich ihnen trotzdem besser nicht erzählen, dass C. nächsten Sonntag wieder zum Yoga kommen will....... 

Mittwoch, 18. März 2015

Erich Fromm - das Gegenteil von Glück

Das Gegenteil von Glück ist nicht Kummer oder Schmerz, sondern Depression. (Erich Fromm, Psychoanalytiker)