Freiheit

Freiheit

Freitag, 25. Juli 2014

Heute ist alles doof......

Heute ist alles doof.... Aufstehen - doof..... Klamotten - doof.... Waschen - baah & doof...... Bus- und Zugfahrt - doof.... Arbeit - megadoof..... Gerede der Leute in Mittagspause - zum Kotzen doof.....

Ich war schon schlecht gelaunt, als ich aufstand. Hatte auch noch verschlafen und musste mich abhetzen, um den Bus zu bekommen. Dann konnte ich der Fruchttasche Apfel in der Bäckerei nicht widerstehen, schön aus Blätterteig und mit Zucker als Garnierung drüber gestreut, und hab die gegessen. Unmengen an Zucker und das zum Frühstück. Dann das blöde Gelaber meiner Kollegin. Tagein, tagaus muss ich mir ihren besserwisserischen Mist anhören. Wie mich das ankotzt. Kein Wunder, dass ich schlecht gelaunt bin. Jeder andere wäre das auch, wenn er sich sowas jeden Tag anhören müsste. 

Dazu kommt, dass ich keinen ordentlichen Sender im Radio eingestellt bekam, so dass ich dem Gelaber noch nicht mal mit Musik entkommen konnte. 
In der Mittagspause ging es dann weiter - nur in 3-4facher Verstärkung. Ich nenne die Truppe KKK - KüchenKlatschKlan. Mit den mehr oder weniger unterschwelligen Frotzeleien und Andeutungen, dem völlig übertriebenen Gelächter, in einer Lautstärke, dass einem die Ohren dröhnen. 

Manchmal ist es ganz ok, aber mal ehrlich, die scheinen doch echt in ihrem Leben was zu vermissen, so wie die über andere herziehen. Steigerte meine Laune also nicht wirklich. Hinzu kam, dass mir mein Essen nicht schmeckte und ich nicht annähernd satt wurde. 

Um 15 Uhr hab ich dann einfach die Sachen gepackt und bin gegangen. Da mein Chef nicht da ist, muss ich das ausnutzen. Und da die Kollegin eh alles besser weiß und alles kann, hab ich mich verabschiedet. Konnte das inhaltslose Bla bla nicht mehr aushalten. Wie kann man nur soviel reden ohne etwas zu sagen?!?!?!

Der Zug hatte Verspätung und ich hab den Bus verpasst. Bin also in die nächste Eisdiele und hab einen Schokobecher gegessen. Hat auch gut geschmeckt, meine Laune aber ganz und gar nicht verbessert. Eher das Gegenteil. Wird wohl nichts mit der Bikinifigur. Will ja eigentlich bis Ende Dezember bikinitauglich sein. Das hat mich noch mehr deprimiert. 

Und am schlimmsten ist, dass ich weiß, dass ich auf absolut hohem Niveau jammere. Denn einen wirklichen Grund hab ich nicht. Es ist nichts passiert, was den heutigen Tag schlechter macht, als den gestrigen. Nur gestern war meine Laune besser. Und ich weiß nicht warum. Mein Psychiater sagt, dass es normal ist. Jeder hat schlechte Tage. Aber sollte ich nicht zumindest wissen was den heutigen Tag so doof macht?!?! Und ich weiß es nicht - er ist einfach bäh!! 

Also liege ich jetzt auf dem Bett, blase Trübsal, jammere hier rum und bemitleide mich selbst. 
Warum gibt es keinen kotzenden Smiley, wenn man ihn braucht........ 


Dienstag, 22. Juli 2014

Schweden - Sverige

Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.
In diesem Zitat von Mark Twain liegt sehr viel Wahrheit. Auch ich möchte nicht irgendwann auf dem Sterbebett zurückblicken und bereuen was ich nicht getan habe, obwohl ich die Möglichkeiten dazu hatte. Oder noch jung genug dazu war. Ich will nicht aus Angst heraus auf alles, was mir am Herzen liegt verzichten. 

Manchmal könnte ich vor Verzweiflung einfach laut aufschreien, weil alles mir viel zu langsam geht und die Angst noch immer da ist. Ich wache morgens mit ihr auf, spüre sie tagsüber in meinen Armen und am liebsten würde ich sie mir wie ein Geschwür einfach aus dem Leib reißen. 

Als ich Erna von meinem geplanten Schwedenurlaub im August erzählte, war sie total aus dem Häuschen. Es reisen so viele Menschen, die mit den unterschiedlichsten Ängsten behaftet sind, dass es für Erna und ihre Kollegen einer Betriebsfeier gleicht, wenn sie sich auf den Flughäfen dieser Welt treffen. 

Damit habe ich nicht gerechnet. Ich hatte ihr extra das VHS Programm in die Hand gedrückt, damit sie beschäftigt und von mir abgelenkt ist und hatte ihr von den Studienreisen im Programmheft vorgeschwärmt, mit der Hoffnung, sie für mindestens eine Woche mal loszusein. Konnte ich denn ahnen, dass sie stattdessen neben dem Englisch- auch noch einen Schwedischkurs besucht, um sich auf die spontan gebuchte Studienreise nach Stockholm vorzubereiten?!?! Oder dass sie diese ratzfatz absagte, weil es mit mir sicher viel mehr Spaß macht vor Ort, als mit den Leuten aus ihrem Kurs. Die wären eh alle alt. Nein!! Das konnte ich nicht ahnen. 

Daher habe ich mir überlegt, sie vor Ort quasi ..... zu verlieren. Irgendwie. Uups, da war sie plötzlich weg. Und bis sie zurück nach Deutschland gefunden hat, vergeht sicher einige Zeit, in der ich hoffentlich soweit stabilisiert bin, dass sie mir nichts mehr anhaben kann. 

Aber (es gibt immer ein Aber):
Reste der Angst würden sicher zurückbleiben, winzig kleine Fitzelchen, die man mit bloßem Auge nicht ausmachen kann und sie würden wachsen. Anfangs wäre meine Angst sicher weg, denn ich habe alles entfernt. Aber irgendwann wäre aus den Fitzelchen ein Klümpchen geworden, die Angst käme wieder öfter zum Anschein, aber erstmal nichts besorgniserregendes. Bis aus dem Klümpchen wieder ein Knubbel wird und aus dem ein Geschwür, das sich überall ausbreitet und mich dann wieder mit so einer Wucht überrascht, dass ich nicht weiß, wie ich dies nochmal verkraften soll und ich auch nochmal die Kraft aufbringe mich wieder monatelang aus dem tiefsten Loch zu kämpfen. 

Denn Erna wäre sauer, stinksauer. Und wie viel Kraft sich hinter ihrer zierlichen kleinen Figur steckt, hat sie mir schon mehrmals sehr deutlich gemacht. 

Daher werde ich wohl die nächsten Monate mit ihr auskommen müssen. Geduld haben, weiter an mir arbeiten. Ihr zuhören, denn ohne Grund besucht sie heutzutage niemanden mehr und nistet sich bei ihm ein. 

Also heißt es wohl auf der nächsten Postkarte, die ich an meine Familie sende:

Hallo aus Schweden! Mir geht es gut - Stockholm ist fantastisch! 
Hej från Sverige! Jag mår bra - Stockholm är fantastiskt!

Liebe Grüße an euch!
Hälsningar till dig

Taleju 

(& Erna) :-)









Montag, 21. Juli 2014

Depressionen und Erna (die Angst) - Partner fürs Leben?!?!

Für einen Montagmorgen war mein Start in die Woche ganz gut. Während der Zugfahrt stieß ich aber auf einen Artikel bei hellogiggles.com über Depressionen. Und schon kreisten meine Gedanken wieder um meine Erkrankung, denn bei mir wurde zuerst eine Depression und dann eine generalisierte Angststörung diagnostiziert.

Hier ist der dazugehörige Link bei hellogiggles (in englischer Sprache): 


Da ich selbst von Depressionen betroffen bin, kann ich den Artikel sehr gut nachempfinden. Im engsten Familien- und Freundeskreis gehe ich auch offen mit dem Thema um, zumindest mittlerweile. Ich wusste letztes Jahr anfangs selbst nicht so genau was mit mir passiert, nur dass ich psychisch und physisch fix und fertig war und  eine scheiß Angst hatte. Nämlich vorm alleine zu Hause sein, denn dann kamen die bösen Gedanken wieder und ich hatte keine Ablenkung. Nichts hat geholfen - kein putzen, kein aufräumen, kein stricken, kein lesen, kein fernsehen. Das war nie genug Ablenkung, um in meinem Kopf für Ruhe zu sorgen und die bösen Gedanken zum Schweigen zu bringen. Ich konnte sie nicht abwehren. 

Gedanken an meinen Ex, die Arbeit, meine Oma und was ich bloß tun soll, wenn die Angst und diese Gefühle niemals mehr weggehen. Wie lange halte ich das aus? Wie viel Kraft habe ich noch? Was tue ich, wenn es mir irgendwann egal ist, was ich mir evtl antue, weil ich nicht mehr kann. Was ist das für ein Leben, dass nur noch aus Angst und Hoffnungslosigkeit besteht. Was für ein Leben, wenn ich all die Dinge, die ich noch gerne tun und sehen möchte, nicht mehr sehen und tun kann, weil ich zuviel Angst habe.

Diese Gedanken und die Gefühle 24/7 wochenlang zu haben, machte mich fertig. Zermürbte mich. 
Ich versuchte es zu erklären, auch bildlich. Aber richtig verstehen und nachvollziehen konnte es niemand. Woher auch. Normale Angst und Traurigkeit kann man mit einem lustigen Film o.ä. schnell schonmal beiseite schieben. Krankhafte Angst und Traurigkeit nicht. Die ist immer da. Auch wenn sie mal ein Nickerchen macht und dir eine kurze Verschnaufpause gönnt. Danach kommt sie gut erholt und oft um ein vielfaches schlimmer zurück. Dann bekam ich oft so doll eine gewischt, dass ich nicht mehr wusste, wo rechts und links ist. Oder wer ich eigentlich noch bin. 

Auch mein Chef und die Kollegen aus meiner Abteilung wissen Bescheid. Mein Chef hat mehrmals
mit mir geredet, versuchte zu helfen. Richtig verstanden hat auch er es bis heute nicht. 

Aber ansonsten möchte ich auch nicht, dass jemand von meiner Erkrankung erfährt. Nach wie vor wird man schnell als zu schwach abgestempelt. Oder ich soll mich doch nicht so hängenlassen.
Daher schreibe ich diesen Blog anonym. Um mich selbst vor Anfeindungen oder falschem Mitleid zu schützen. Denn leider gibt es immer Leute, die solche Situationen zu ihrem Vorteil ausnutzen. 

Depressionen sind keine Willenssache - sie sind eine ernsthafte Erkrankung, die leider nach wie vor oft noch belächelt wird. Würde diese Krankheit durch reine Willenskraft besiegt werden können, würden nicht so viele Menschen darunter leiden. Denn durch diese Hölle geht keiner freiwillig. 

Ich habe letztes Jahr das Buch ,Leben mit dem schwarzen Hund' von Matthew Johnstone gekauft und meiner Mutter zu lesen gegeben. Ich hatte gehofft, dass sie mich und mein Verhalten besser verstehen würde. Leider hatte ich am nächsten Morgen das Gefühl, sie habe es gar nicht gelesen, denn sie erklärte mir, dass ich selbst aus der Depression rauskommen wollen muss und aufhören soll alles so negativ zu sehen. 

Ich weiß noch genau wie ich am Küchentisch saß und dachte, ich traue meinen Ohren nicht. Es war
genau das Gegenteil von dem, was in dem Buch stand. 
Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst, konnte nicht essen, nicht schlafen, hatte Hitzegefühle in
meinen Armen und schlimme Angstzustände, die nur abends ein wenig besser wurden. Ich dachte, dass ich in die Psychiatrie muss, weil ich nicht wusste was mit mir eigentlich passierte. 
Könnte ich diesen Zustand willentlich beeinflussen, hätte ich es doch längst getan! 

Ich war total geschockt und verärgert  von ihrer Reaktion. Und auch brachte es weitere Angst hoch, da ich versuchte  positiv zu sein. Aber in einer solchen Angst (Angststörung) und Hoffnungslosigkeit (Depression) konnte ich nicht mehr positiv denken. Es wisperte mir immer eins der beiden o.g. Teufelchen  ins Ohr, dass ich es nicht schaffe, denn eine Garantie gibt es nicht. 

Heute denke ich, es war Hilflosigkeit, die sie dazu brachte so streng zu sein. Denn gutes Zureden hat auch nicht geholfen.

Hier ein Link zum Video Der Schwarze Hund von Matthew Johnstone (in Englisch):


Und hier nun auch in Deutsch bei Freunde fürs Leben (Nachtrag vom 30.08.2014):

http://www.frnd.de

Und ein Link von einem seiner Live-Auftritte (in Englisch): 


Ich habe dann anderen Familienmitgliedern und Freunden folgenden Link geschickt. Hier gibt es viele Antworten auf Fragen, die man sich selbst, aber auch andere einem stellen. Der Link ist vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie und das Lesen gab mir Hoffnung und ich finde, dass die Antworten verständlich erläutert sind:

http://www.mpipsykl.mpg.de/840900/depression

Das Schreiben dieses Blogs hilft mir sehr. Hier kann ich meinen seelischen Müll abladen und ordnen.
Wie bei meiner Therapie muss ich kein Blatt vor den Mund nehmen. Ich kann den ganzen Ballast aus mir rauslassen. Ohne Rücksicht auf Gefühle anderer. Das ist sehr befreiend. Und erleichtert ungemein. Hätte ich anfangs nicht gedacht.

Ich bin unendlich dankbar für die Hilfe meiner Hausärztin, meiner Therapeutin und meines Psychiaters. Stundenlang haben sie mir zugehört, mich weinen lassen und wieder aufgebaut. Mit mir zusammen suchen sie Wege, damit ich das dunkle Tal und seine Bewohner irgendwann hinter mir lassen kann.

Der erste Schritt um Hilfe zu suchen und zu bitten war unglaublich schwer. Ich dachte anfangs, ich bekomme es alleine hin. Als dies nicht funktionierte war ich so enttäuscht und frustriert über mich selbst. Dann fand ich die Therapeutin. Trotzdem kam der große Zusammenbruch - ich war so enttäuscht. Dann Hilfe von Hausärztin und Therapeutin. Trotzdem kam die erste Angstphase. Weitere Enttäuschung und Frustration. 5 Wochen Reha - trotzdem kam in der Reha und der erste Samstag direkt danach wieder eine Angstphase. Nach all den Überwindungen, Anstrengungen, Änderung der Verhaltensweise - nach all dem trotzdem wieder Angst. Die Enttäuschung, Wut und Frustration über mich selbst wuchs immer mehr. Ich wollte alles und zwar gleich.
 Raus aus diesem Leid.

Aber: Was lange kommt, braucht auch lange um zu gehen. Der Zusammenbruch im letzten Jahr hat sich jahrelang angebahnt. Ich wollte es nur nicht wahrhaben.

Und ich muss Geduld mit mir haben. Mehr auf mein Bauchgefühl achten, meine eigenen Grenzen respektieren.

Und wenn nichts anderes hilft, dann sollte man auch nicht vor einem Antidepressivum scheuen (unbedingt vorher einen Facharzt für Psychiatrie konsultieren). Ich war auch dagegen, aber als nichts half, war ich letztendlich froh darüber die Cymbalta von meinem Psychiater bekommen zu haben. Sie öffneten meine ,Scheuklappen' und die Fokussierung auf die Angst und Traurigkeit löste sich soweit auf, dass sie nicht mehr meine Gedanken bestimmen, sondern auch Platz für andere, auch erfreuliche, Gedanken ist.  Ich rate aber nochmal dringend dazu, dass jeder vorab einen Facharzt für Psychiatrie aufsucht. Dies sind Fachleute und sie sind darauf spezialisiert, d.h. sie können meist sehr gut einschätzen, welches Medikament für wen das jeweils richtige ist.

Am Ende des Buches ,Ein Leben mit dem schwarzen Hund' von Matthew Johnstone steht:

Einer der wichtigsten Aspekte dieser Reise ist es,
sich einander immer wieder vor Augen zu führen:

Es geht vorbei. Es geht vorbei. Es geht vorbei.


Schönen Abend!

Eure Taleju :-)



Sonntag, 13. Juli 2014

Weltmeister!!!!!!!

Wir sind Weltmeister!!!!!! 😃😃😃😃😃😃😃😃😃😃😃
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Freitag, 11. Juli 2014

Die dritte Person - Mit den Augen eines Anderen

Ich betrat die Wohnung. Es war Nacht und alles war dunkel. Trotzdem konnte ich alles gestochen scharf erkennen. Ich ging den kurzen Flur entlang. Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Es kam aus dem hinteren Zimmer. Ich erkannte Wortfetzen, dann ein Schluchzen. Betete sie etwa? Das Rascheln der Bettwäsche folgte, dann hörte ich Schritte. Sie schleppte sich an mir vorbei zum Badezimmer. Mondlicht fiel durchs Fenster auf sie. Sie saß auf der Toilette, die Hände hielten den Kopf, Tränen liefen glitzernd ihre Wangen hinab. Dann griff sie plötzlich nach dem Putzeimer und übergab sich in ihn. Das Geräusch der Toilettenspülung, fließendes Wasser. Sie schlich wieder an mir vorbei Richtung Schlafzimmer. Sie war nur ein Schatten ihrer selbst. Das Haar stand wild vom Kopf ab, Mascaraspuren auf den Wangen und um die Augen verschmiert, das Gesicht erschreckend weiß.

Sie macht kein Licht, denn es tut so weh, so verdammt weh, in ihren Augen. Sie tastet sich mit ausgestreckten Armen in Richtung des Bettes. Dort angekommen setzt sie sich vorsichtig hin, fährt mit der Hand über den Nachttisch, auf der Suche nach den Tabletten. Endlich findet sie eine, zerbricht sie in vier Stücke, da sie sie nicht im Ganzen schlucken kann. Das Öffnen der Wasserflasche, dann Würgelaute und Erbrechen. Erschöpft lässt sie sich in die Kissen sinken. Das wäre die sechste Tablette gewesen. Sie helfen einfach nicht, der Schmerz wird immer schlimmer. Wieso helfen sie nicht.

Ich lasse mich mit dem Rücken an der Wand hinuntergleiten bis ich auf dem kalten Boden sitze. Sie weint. Betet. Und fleht. Aber Oma ist nicht da. Sie kann ihr nicht mehr helfen. Sie ist ganz allein.

Ich bin nur ein stiller Beobachter. Ich würde ihr den Rücken streicheln und den Kopf über den Eimer halten. Aber auch ich kann nicht eingreifen.

Sie dreht sich von einer Seite auf die andere. Und weint. Egal, wie sie liegt, es tut weh. Sogar die
Berührung mit dem Kissen schmerzt. Sie weint immer weiter, obwohl es den Schmerz verschlimmert. Sie flüstert. Sie bietet Gott einen Deal an, wenn es sich doch bitte nur um eine Migräne handelt und nicht um einen Schlaganfall. Wieder erbricht sie in den blauen Eimer.

Nun sitzt sie im Bett. Schimpft mit sich selbst. Weint. Schimpft weiter. Weint.

Warum sie immer über ihre Grenzen hinausgeht. Wieder. Schon wieder. Obwohl sie es doch besser wissen muss. Sie ist schließlich hart genug gefallen im letzten Jahr. War wohl noch nicht hart genug. Oder warum ist sie so masochistisch?! Sie weiß es doch besser. Sie weiß, es gibt kein Danke, wenn sie 19 Std am Stück wie von Samstag auf Sonntag arbeitet. Es wird einfach erwartet, vorausgesetzt. Sie ist ja die Blöde, die das mit sich machen lässt. Und egal wie sehr sie sich anstrengend, sie ist austauschbar. Das haben sie ihr in den letzten Wochen begreiflich gemacht.

Wie viel muss noch passieren, bis sie endlich erkennt, dass es das nicht wert ist. Endlich begreift. Erst wenn sie wieder bald am Boden liegt und alle über sie hinwegsteigen und keiner mehr sich nach ihr umdreht. Erst dann?! Nichts und niemand ist es wert, die Gesundheit zu riskieren.

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Ich habe diese Geschichte aus der Perspektive der 3. Person geschrieben. Dies habe ich in einem Magazin gelesen, dass man z.B. sein Tagebuch einmal aus der 3. Person schreiben soll. Viele Dinge erscheinen dann evtl. klarer.

Dies war einer der schlimmsten Migräneanfälle, die ich je hatte. Ich erinnere mich nur an einen weiteren, der auch so schlimm war und ich nicht mehr wusste was ich tun sollte, weil die Schmerzen so unerträglich waren. Besser wurde es diesmal erst nach zwei Tagen. Meine Ärztin musste mich sogar krankschreiben. Trotzdem habe ich seitdem mit Schwindel und Übelkeit zu kämpfen.
Auf Grund der Cymbalta darf ich nur die Paracetamol Tabletten gegen die Migräne nehmen. Die helfen aber nicht. Habe an diesem Montag bis Montagnacht 5 1/4 Tabletten genommen, alles erfolglos. Dienstagmittag kam erst Abhilfe. Meine Ärztin ließ mir Novalgin-Tropfen bringen. 40 Tropfen und die Migräne ging langsam weg. Mittwochs konnte ich dann meine Wohnung verlassen und zu meiner Ärztin in die Praxis fahren. Sie schrieb mich gleich auch noch für diesen Tag krank. Ich hatte zwar zu Hause meinen Koffer schon wieder gepackt, da ich eigentlich beruflich für drei Tage weg musste, aber letztendlich war ich doch froh um diesen Tag. Ab nachmittags lag ich dann auch schon wieder wegen dem Schwindel und der Übelkeit im Bett. Seitdem begleiten mich diese Symptome. Ich soll zum Neurologen und dort zum CT. Und zu meinem Psychiater, um zu klären, welche Tabletten ich ggfs. wegen der Migräne noch nehmen kann.

Fakt ist, dass ich wieder kürzer treten muss. Ego hin oder her. Ich muss lernen mich selbst wertzuschätzen, d.h. auch meine Grenzen zu respektieren. Und meinen 6 Stunden-Tag, den ich vertraglich habe, auch zeitlich wieder einzuhalten.

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Nachtrag vom 30.08.2014:

Am Donnerstag war ich bei meinem Psychiater und erzählte ihm von diesem heftigen Migräneanfall. Es waren wohl eine Kombination aus dem Stress und Absetzungserscheinungen der Cymbalta, die ich 2 Tage lang an diesem Wochenende vergessen hatte zu nehmen.

Absetzerscheinungen! Ich war geschockt und erst einmal sprachlos. Ich dachte, ich hätte einen Schlaganfall gehabt, so schlimm waren die Schmerzen. Nun muss ich sagen, dass ich wirklich Bammel habe die Tabletten abzusetzen. Das ist zwar noch nicht abzusehen, aber trotzdem.

Da ich nur eine am Tag nehme, habe ich ihn gefragt, wie man die Dosierung denn langsam reduzieren kann. Diese Tabletten kann man nicht teilen. Er sagte, dass es dann anfangs nur 1 Tablette alle 2 Tage sein wird, dann nach einiger Zeit 1 Tablette alle 3 Tage usw.

So gerne ich die Tabletten auch absetzen möchte, so sehr Angst habe ich nun auch davor eben dies zu tun. Auch wegen den Absetzsymptomen, aber auch vor dem Ergebnis, ob die Angst dann weg ist oder wiederkommt. So stark wie im letzten Jahr.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Heutiger Stand - ein Update

Ein paar Dinge, die ich unbedingt umsetzen wollte in meinem Glücks-Projekt, habe ich mittlerweile auch umgesetzt.

So habe ich nun einen Personal Trainer, der mich alle zwei Wochen durch die Gegend scheucht bzw. auf Grund meiner Kondition ist scheuchen das falsche Wort..... Um einen früheren Trainer im Fitness Studio zu zitieren:,, Für eine 80jährige wär's ok.....". Mein ,Tempo' kann man sich also vorstellen :-)
Aber, hey, besser als nix.

Außerdem bin ich nun offiziell Studentin der Psychologie. Um den Abschluß geht es mir gar nicht, aber ich möchte die Grundlagen erlernen und vor allem verstehen, was da eigentlich mit mir passiert und los ist. Und warum es mich getroffen hat. Welche Komposition aus Genen, Erziehung und Umgebung und ich selbst, haben dazu beigetragen, dass ich krank wurde. Hätte ich vorbeugen können? Hätten meine Großeltern und Eltern vorbeugen können, wenn sie es denn gewusst hätten? Was kann ich tun, damit, falls ich mal Kinder habe, ich ihnen dieses Schicksal erspare, auch wenn sie genetisch durch mich vorbelastet sind. Das alles rauszufinden wird wahrscheinlich eine Lebensaufgabe.
Ich möchte die Ausbildung auch nutzen, um mich später als Coach weiterbilden zu lassen und dann Menschen, die ebenfalls in einer Lebenskrise stecken, helfen zu können. Wenn ich selbst einmal einen Weg hinausgefunden habe. Meiner Meinung nach kann niemand wirklich so genau verstehen, was man durchmacht, wenn man nicht selbst da durch musste.
Ich habe noch nicht mit dem Studium begonnen, aber ich fühle mich gut dabei, dass ich mich endlich mal dazu durchgerungen habe mit etwas zu beginnen. Viele Jahre habe ich nur gegrübelt, was ich denn machen könnte und konnte mich auf Grund der Vielzahl der Dinge, die mich interessierten, nicht entscheiden. Und das nervte mich mit der Zeit und machte mich unzufrieden.

Die heutige Zeit ist ein Fluch und ein Segen. Wir haben viel mehr Möglichkeiten unser Leben und unsere Talente voll zu entfalten, als noch unsere Vorfahren es konnten. Andererseits belastet mich diese Auswahl aber auch oft, da ich andauernd, ob nun bewusst oder unterbewusst, Entscheidungen treffen muss. Schon im Supermarkt einfach Nudeln zu kaufen, kann dauern, da es mittlerweile so viele verschiedene gibt. Früher gab es eine Sorte und wenn wir etwas besonderes essen wollten, gab es Miracoli.

Moritz ist leider wieder bei mir ausgezogen. Er hat nur geweint und da ich beruflich in den letzten zwei Wochen mehrere Tage am Stück nicht zu Hause war, hat meine Cousine ihn wieder zu sich genommen. Dort ging der Katerkampf auch direkt wieder los. Armer Moritz. So ein lieber Kerl und er kuschelt so gern.

Im Autokorso mitgefahren anlässlich der WM, bin ich leider noch nicht. Denn ich muss gestehen, dass ich noch kein Spiel der deutschen Mannschaft gesehen habe. Ich höre aber anhand dem Gegröle meiner Nachbarn sehr gut, ob wir nun ein Tor erzielt haben oder was gerade passiert.

Das war erstmal das update von mir. Aber hey, die Woche ist noch jung, gerade mal zur Hälfte vorbei und ich hab noch Urlaub (der leider total ins Wasser - wörtlich gemeint - fällt).  Morgen gönne ich mir eine Massage. Freitag geht es in die Sauna, also Entspannung, Entspannung, Entspannung. Hoffe mein Körper bekommt keinen Schock von soviel Entspannung - ist er schließlich nicht gewohnt ;)

Gute Nacht!!


The answer my friend is blowin' in the wind.....

Wenn ich als 80jährige zurückblicke und mir die Fotos aus den beiden vergangenen Jahren in die Hände fallen, werde ich mich dann wohlwollend an die Zeit zurückerinnern. Habe ich vielleicht ein Enkelkind auf dem Schoß sitzen, das mich fragt, wer die beiden jungen Leute auf den Fotos sind, die ich ihm zeige. Und ich ihr von uns erzähle, von mir und M., meinem Freund aus Tschechien. 

Oder wird er für mich nur ein Gesicht sein, wie die vielen anderen, denen ich im Laufe der darauffolgenden Jahre begegnet bin und irgendwann im Erinnerungswirrwarr immer mehr verblassen, bis er nur noch ein namenloses, unscharfes Gesicht in der Masse ist. 

Wird mich noch die gleiche Melancholie befallen, wenn ich an ihn denke. An unsere Geschichte, die so schön begann und die ich für einen Wink des Schicksals hielt. 
Ich habe mir als Mädchen nie vorgestellt, wie ich mal heiraten werde, ich wusste nur immer ganz genau zu welchem Lied ich das erste Mal mit meinem Mann tanzen möchte. Ein tschechisches Lied. 

Werde ich ihr erzählen, dass ich damals dachte, er wäre meine große Liebe. Denn zu dem Zeitpunkt war er das auch. Aber ich musste ihn gehen lassen. Er hatte sich so entschieden. 

Ich muss meinem Herzen klarmachen, dass es für M. an der Zeit ist von dort auszuziehen. So schwer es meinem Herzen auch fallen mag. Damit wieder genug Platz für andere Personen dort ist. 
Genauso wie Erna, inkl. Zacharias, im November aus meinen pinken Zimmer ausziehen soll. Mittlerweile haben es sich beide dort so gemütlich gemacht und gehören wie selbstverständlich zu meinem Alltag, dass ich mich frage, ob sie wirklich ausziehen wird. Und wie ich sie dazu bewegen soll, falls sie tatsächlich nicht will. Wenn sie mit ihren knappen 1,55m vor mir steht, mit verschränkten Armen und störrisch vorgerecktem Kinn und mit ihrem kleinen Füßlein aufstampft und sagt: ,,Nein, nein, nein und nochmal nein. Du bist hier nicht der Bestimmer. Sondern ich!!" 

Es wird also Zeit in meinem Herzen (und in meiner Wohnung) für Ordnung zu sorgen und Platz zu machen für jemand anderen. Wer immer das auch sein mag.......

The answer my friend is blowin' in the wind
the answer is blowin' in the wind


Song: How many roads von Bob Dylan

How many roads must a man walk down
Before you call him a man?
Yes, 'n' how many seas must a white dove sail
Before she sleeps in the sand?
Yes, 'n' how many times must the cannon balls fly
Before they're forever banned?
The answer, my friend, is blowin' in the wind,
The answer is blowin' in the wind.

How many years can a mountain exist
Before it's washed to the sea?
Yes, 'n' how many years can some people exist
Before they're allowed to be free?
Yes, 'n' how many times can a man turn his head,
Pretending he just doesn't see?
The answer, my friend, is blowin' in the wind,
The answer is blowin' in the wind.

How many times must a man look up
Before he can see the sky?
Yes, 'n' how many ears must one man have
Before he can hear people cry?
Yes, 'n' how many deaths will it take till he knows
That too many people have died?
The answer, my friend, is blowin' in the wind,
The answer is blowin' in the wind.